Leishmaniose

 

Leishmaniose

 

Leishmaniose kann sich NUR mit dem Vorkommen der Sandmücke (Gattung Phlebotomus) als Überträger verbreiten.

Es gibt Sandmücken in allen mediterranen Ländern, in Regionen von Tunesien, Griechenland, Türkei, Belgien, Portugal, Südfrankreich, Spanien, Italien,  aber auch in Österreich, Deutschland (bisher Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz,  Region bis Offenburg) und der Schweiz. Durch die globale Erwärmung wird für die nächsten Jahre und Jahrzehnte eine weitere Verbreitung der Sandmückenvorkommen nach Norden (langfristig sogar bis England) erwartet. Bisher ging man fälschlicherweise davon aus, dass die Alpen eine natürliche Begrenzung für die Sandmücken seien. Aktuelle Forschungen belegen, dass dem nicht so ist und erstmals 1999 konnten Sandmücken in Deutschland nachgewiesen werden. Genaue Untersuchungen zur Verbreitungsgrenze in Deutschland laufen derzeit.

Weltweit gibt es zahlreiche Arten von Leishmanien.

Im Europäisch-Mediterranen Raum handelt es sich hauptsächlich um den Erreger der inneren Leishmaniose bei Mensch und Tier, Leishmania infantum, mit derzeit mindestens 10 verschiedenen (Unter-)Stämmen (Zymodeme), davon sind manche mehr, andere weniger krankheitserregend und auch die klinischen Symptome der infizierten Tiere weichen stark voneinander ab.

Nicht alle 10 Stämme kommen in den gleichen Regionen vor, deshalb ist es auch für die Therapie wichtig, eine Stammbestimmung durchzuführen und jedes Tier individuell zu behandeln.

Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch oder Tier zu Tier oder Tier zu Mensch (und umgekehrt) ist nicht möglich. Leishmanien können nur durch Sandmücken übertragen werden. Hin und wieder wird behauptet, dass Leishmanien durch Zecken, Flöhe oder Milben, durch Beissereien zwischen Hunden oder durch Speichel übertragen werden, für diese Aussagen gibt es jedoch bislang keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis.

Allerdings ist eine Übertragung transplazentar von der Hündin auf die Föten (im Mutterleib)  gesichert nachgewiesen.

Eine Übertragung von Leishmanien kann somit nur durch die Sandmücke erfolgen:

 

Von Tier über Sandmücke zu Tier

Von Tier über Sandmücke zu Mensch

Von Mensch über Sandmücke zu Tier

Von Mensch über Sandmücke zu Mensch

 

Die Leishmanien gelangen über das Blut beim Hund und Mensch in die Zellen von Leber, Milz und Knochenmark. Sie sind in den Makrophagen, die für den körpereigenen Schutz zuständig sind. Damit schädigen sie das Immunsystem und die entsprechenden Organe. Eine Übertragung durch Hundespeichel ist somit auszuschließen, da sich dort keine Makrophagen befinden.

 

Infektionsrate

 

bei Hunden hängt von den vorhandenen Sandmückenpopulationen und deren Stechgewohnheiten ab und ist besonders im mediterranen Raum sehr hoch.

Die Infektionsrate von Hunden liegt

- in Portugal bis 20% (Abranches et al.1993)

- in Zentral-und Süditalien bis 23% (Maroli et al.1999), auf Sizilien bis 60%(Orndorff 2000)

- in Katalonien 10% (Fisa et al.1999)

- in Andalusien bis 42% (Morillas Marquez et al.1996)

- auf Mallorca 67% (Solano Gallego et al. 2001)

- Athener Gebiet 22% (Sideris et al. 1999)

- Nordgriechenland bis 6% (Argyriadis & Litke 1991)

 

Den Erreger Leishmania infantum findet man in Europa außer in Mensch und Hund auch in Fuchs, Katze, und Nagetieren (Maus, Ratte und Ziesel). Im Jahr 2000 lag die Durchseuchungsrate bei Füchsen in Zentralspanien bei über 70%, bei Katzen auf Sizilien 2002 bei über 40%.

 

Symptome

 

Weltweit sind etwa 12 Mio Menschen mit Leishmanien infiziert.

Seit 1994 gibt es immer wieder neue Untersuchungen in Europa. Besonders in manchen Regionen  Europas kann man inzwischen davon ausgehen, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung Träger von Leishmanien ist, besonders in Südfrankreich 30-40% der Bevölkerung, in Spanien (Provinz Granada und Malaga) 40-45%.

 

Auch viele Touristen werden jedes Jahr neu infiziert , ohne je ein Symptom zu zeigen oder es überhaupt zu bemerken. Ernste Gefahr besteht nur für Schwerstkranke (HIV-pos. z.B.) oder Säuglinge, deren Immunsystem geschwächt oder noch nicht ausreichend ausgebildet ist.

 

Der Erreger, Leishmania infantum, äußert sich sekundär über die Haut, primär sind die inneren Organe befallen. Deshalb wird oft fälschlicherweise von Hautleishmaniose in diesem Zusammenhang gesprochen.

 

Jeder Mensch oder Hund, der sich im EUROPÄISCHEN-Mittelmeerraum eine Leishmaniose eingefangen hat, ist mit einem oder mehreren (von derzeit 10 möglichen) Erregerstämmen von Leishmania infantum infiziert. Wie beim Hund so kann sich L. infantum auch (sekundär) beim Menschen über Hautläsionen darstellen - befallen sind aber immer auch die inneren Organe (Leber, Milz, Knochenmark).

Inwieweit ein Tier überhaupt erkrankt , hängt von verschiedenen Faktoren ab:

- vom Leishmania Stamm, der mehr oder weniger krankmachend ist (Kein Stamm hat sich nur auf Hunde „spezialisiert“)

 

- vom Immunstatus und Alter des Hundes (ein gesunder, junger Hund kann die Infektion selbst gut bekämpfen)

 

- von der Hunderasse (Bobtail, Schäferhund, Husky in Italien oder Spanien sind stärker gefährdet)

 

Besonders für die wachsende Zahl der Hunde, die ihre Halter ungeschützt auf Reisen in mediterrane Länder begleiten, ist die Prognose bei einer Leishmaniose-Erkrankung leider nicht so günstig.

 

Hunde, die in Leishmaniose-Gebieten leben und aufgewachsen sind, haben sich oft bereits mit der Krankheit auseinandersetzen müssen. Ist ihr Immunsystem stabil (und das ist es meist), haben sie einen natürlichen Immunschutz erworben. Sie zeigen dann zwar einen Antikörper-Titer im Test, haben aber KEINE Leishmaniose.

Allerdings kann eine Leishmaniose unter ungünstigsten Gegebenheiten lebenslang ausbrechen.

 

Ein infizierter Hund kann sehr vielfältige Symptome zeigen, die aber auch auf andere Erkrankungen hinweisen können. Das Fehlen von Symptomen ist aber kein Hinweis darauf, dass der Hund nicht infiziert ist. Nur Tests bringen einen Nachweis. Dabei muß immer auch ein „Großes Blutbild“ gemacht werden, um eine eventuelle Schädigung der Organe erkennen zu können.

 

Symptome treten oft schubweise auf und können sein: schleichender Gewichtsverlust, Lahmheit, Trägheit, Appetitlosigkeit, Haarverlust (besonders um die Augen), Schuppenbildung, Hautwunden (oft nässend, schlecht heilend, meist kreisrund- an Ohren, Kopf, Nase, an den Beinen), Nasenbluten, Lymphknotenschwellung, Blutarmut (Anämie), “Ausfransen“ der Ohrränder mit Schuppenbildung, Nierenschädigung.

Bluttest:

IFAT-Tests:

Dabei wird untersucht, ob vom Körper Antikörper gebildet wurden und wie viel (Antikörper-Titer). Relativ ungenau, da das Ergebnis von vielen Faktoren beeinflusst werden kann.

 

Der Titer kann hoch sein, wenn der mediterrane Hund sich gerade mit der Infektion selbst auseinandersetzt und schon eine natürlich Immunabwehr gebildet hat. Dieser Hund erkrankt nicht.

 

Streß kann das Immunsystem des Hundes durcheinander bringen und zu falschen Ergebnissen führen. Ein Hund sollte also nicht unbedingt in einer Streßphase (also unmittelbar nachdem er gefunden oder nach Deutschland gebracht worden ist) getestet werden.

 

Es kann eine „Kreuzreaktion“ mit einer anderen Infektion geben (Ehrlichiose, Filarien, Babesiose u.a.), d.h. das Immunsystem arbeitet auf „Hochtouren“. Ein erhöhter Titer  wird angezeigt, obwohl der Hund nie eine Sandmücke gesehen hat.

Ebenso beeinflussen kürzlich durchgeführte Impfungen oder Kastrationen, Operationen das Testergebnis.

Im Labor werden oftmals nicht die richtigen Testsubstanzen für die entsprechende Region verwendet, d.h. z.B. ein Labor in Italien nutzt Substanzen, die nur Leishmanienstämme aus Indien oder Spanien anzeigen (oft auch eine Preisfrage).

Auch der sogenannte Schnelltest, der häufig in südlichen Ländern angeboten wird, hat nur wenig Aussagekraft.

In Deutschland bieten zur Zeit leider nur 2 Labore einen Leishmaniose-Test mit einer standardisierten mediterranen Grundsubstanz an, die amtlich geprüft wurde und eine Zulassungsnummer erhielt. Nur dort sind die Ergebnisse noch nach Jahren vergleichbar.

 

Genauere Nachweisverfahren sind  Knochenmark und Lymphknotentest, die auch nur in speziellen Labors durchgeführt werden können. Hier wird ein direkter Parasitennachweis geführt und der Erregerstamm lässt sich identifizieren. Eine Knochenmarkspunktion ist aber nur sinnvoll, wenn der Hund zum Zeitpunkt der Punktion NICHT unter Behandlung (mit Allopurinol) steht. Sonst sind die Ergebnisse ebenfalls verfälscht.

 

Ein weiteres Verfahren ist das sogenannte  ELISA-Verfahren, das die Uni Zürich anbietet und das besonders für eine Verlaufskontrolle eine hohe Aussagekraft hat.

 

Auch wenn ein Hund negativ getestet zu Ihnen kommt, sollten Sie nach ihn nach einer gewissen Zeit noch einmal testen lassen. Es kann leicht passieren, daß er zum Zeitpunkt des Tests keine Leishmaniose hat, aber schon kurze Zeit später durch den Biß einer Sandmücke infiziert wird.

 

Therapie

 

Für den Hund stehen zahlreiche therapeutische Verfahren zur Verfügung, die aber individuell, je nach Erregerstamm, Konstitution, Alter und Hunderasse eingesetzt werden müssen.

Grundvoraussetzung in jedem Fall ist eine Erhöhung und Stabilisierung des Immunsystems des Hundes. Kein Stress, Geborgenheit, ausgewogenes Futter - all das verbessert seine Konstitution, sein Wohlbefinden und stärkt damit sein Immunsystem. Damit wird das Tier in die Lage versetzt ,sich selbst mit dem Erreger auseinander zu setzen und damit fertig zu werden.

Besonders Tiere, die keine Symptome zeigen, haben dabei sehr gute Chancen.

Eine „Spontanheilung“ ist bei Hunden unter ca. 5 Jahren möglich und auch bekannt.

Als pflanzliche Unterstützung zur Erhöhung der Immunabwehr kann z.B. ECHINACEA kurweise gegeben werden

Eine regelmäßige Überprüfung der Blut-und Organwerte sind lebenswichtig. (Großes Blutbild, incl. Leber-und Nierenwerte).

 

Für die individuelle Behandlung stehen verschiedene Präparate zur Verfügung , die grundsätzlich in Kombination und auf den jeweiligen Hund abgestimmt gegeben werden müssen (Allopurinol, Amphotericin B, Antimon, Ketoconazol, Interferon, Oleyl-PC u.a.) Die so oft vorgeschlagene Therapie nur mit Allopurinol reicht nicht aus, da dieser Wirkstoff allein die Leishmanien nicht abtötet!

Allopurinol ist ein perfekter Wachstumshemmer, d.h. das Wachstum von Leishmanien wird gehemmt. Allopurinol verdrängt Leishmanien aus Knochenmark, Leber und Milz ins Bindegewebe; dort sind sie kaum mehr nachweisbar in Tests. Selbst nach Absetzen der Allopurinol-Behandlung dauert es etwa 3 Monate bis die Parasiten wieder in Milz, Knochenmark oder Leber angesiedelt sind und nachgewiesen werden können. Allerdings kann, besonders bei stark krankmachenden Erregerstämmen ein plötzliches Absetzen einer bereits begonnenen Behandlung den Tod des Tieres bedeuten.

 

Die zu erwartenden Kosten sind stark abhängig von der jeweiligen Therapie und können unter Umständen (incl. der ständigen Labortests ) weit über 1000 EUR liegen.

Es wird ständig an neuen Präparaten und Behandlungsmöglichkeiten mit  guten Aussichten  geforscht. Auch eine zusätzliche homöopathische Unterstützung des Tieres zeigte schon oft gute Ergebnisse, reicht aber als alleinige Therapie NICHT aus.

 

Leishmaniose- Grund zur Panik ?

 

Sicher nicht!  Auch diese Krankheit muß ihren Schrecken endlich verlieren! Ein leishmaniose-positiver Hund kann durchaus ein hohes Lebensalter mit sehr guter Lebensqualität erreichen.

Ein kompetenter Tierarzt wird Sie gern beraten und für Ihr Tier die passende Behandlung empfehlen. Immer wieder hört man von Tierärzten, die bei einem Leishmaniose-positiven Hund zum Einschläfern raten, selbst wenn die Krankheit nicht ausgebrochen ist. Dies ist natürlich absolut nicht gerechtfertigt und auch der Ausgebruch einer Leishmaniose ist für einen Hund kein grundsätzliches Todesurteil. In diesem Fall empfehlen wir, einen Tierarzt aufzusuchen, der sich mit der Behandlung der Krankheit auskennt.

 

Im verantwortungsvoller Umgang mit infizierten Tieren besteht für den gesunden Menschen keine Gefahr, sich zu infizieren. Natürlich müssen trotzdem entsprechende Hygieneregeln (Händewaschen, Vorsicht im Umgang mit offenen Wunden etc.) eingehalten werden, die für jeden Hundehalter aber sowieso selbstverständlich sein sollten.

 

Wissenschaftlich gesehen gibt es KEINEN einzigen nachgewiesenen Fall, bei dem sich der Mensch durch seinen Hund infiziert hat, eben weil inzwischen der Entwicklungsweg der  Leishmanien bekannt und erforscht ist.

 

In Anlehnung an und mit freundlicher Genehmigung von

S.Otto

Mai 2004

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